Erfahrungsbericht – LAOWA 17 mm f/4 Zero-D
Fotots copyright by Mark Robertz
Landschaft & Veduten – Laowa 17 mm für Fuji GFX 100
Weitwinkelobjektive im Mittelformat-Bereich, die es mit den verfügbaren Kleinbild-Weitwinkeln aufnehmen konnten, waren lange Zeit Mangelware. Rückblickend galten im Kleinbildformat Weitwinkelobjektive unter 20 mm in analoger Zeit eher als unseriös, da sie die Perspektive zu sehr verzerrten. Das änderte sich erst mit dem Einzug der digitalen Fotografie. So setzte Nikon mit dem 14-24 mm für lange Zeit den Maßstab, was Weitwinkelperspektiven anbelangte.
Nach meinem Umstieg in die Landschaftsfotografie im Mittelformat kompensierte ich diese Weitwinkelperspektive mit der Shift-Möglichkeit meiner Fachkamera, indem ich mit dem 32 mm (= ca. 22 mm im
KB-Vollformat) auf Panoramamontagen setzte. An der Fuji GFX 100 bietet das 23 mm (= ca. 16 mm im KB-Vollformat) zwar schon mehr Spielraum, doch das Laowa 17 mm f/4 Zero-D setzt Maßstäbe, wie einst
das zuvor erwähnte Nikon. Im praktischen Feldeinsatz ähnelt das Fotografieren mit dem Laowa an der Fuji GFX sehr dem Vorgehen mit der Fachkamera: Bildausschnitt festlegen, manuell bei Offenblende
fokussieren, mittels Blendeneinstellung die Tiefenschärfe festlegen und und und. Vermisse ich dabei den Autofokus? Nein! Vielmehr ermutigt mich das Handling zu einem bewussteren – entschleunigten
Fotografieren.
In der Landschaftsfotografie, wo sich das Motive selten spontan verändert oder ein schnelles Vorgehen erfordert, wirkt sich das manuelle Fokussieren in der Regel auf einen bewussteren Umgang mit dem Bildaufbau aus. Im Vergleich zum 23 mm Weitwinkel von Fuji benötigt das Laowa eine kleine Belichtungskorrektur bei gleicher Blende. Diese liegt zwischen +0,3 und +0,7 Blendenstufen und lässt sich mit zunehmender Erfahrung vor Ort über die Kameraeinstellungen punktgenau handeln. Die kleine Verschiebung des Weißabgleichs passe ich in der Regel in der nachfolgenden Bildentwicklung in Capture One an.
Eine erhöhte Aufmerksamkeit bedarf die Wahl des Filtersystems. Zum einen bedingt der gewölbten Frontlinse. Zum anderen hinsichtlich des extremen Blickwinkels: Hier sind je nach verwendetem Objektivadapter und Filterhalter Randabschattungen bzw. Reflexionen vorprogrammiert. Ich nutze hier das SW 150 von Lee, welches mir treue Dienste leistet. Mögliche Reflexionen lassen sich hier mit Hilfe einer Abdeckung zwischen Filterhalter und Filterglas vermeiden.
Das Objektiv ist aus meiner Sicht keine Allheilwunderlösung mit deren Hilfe ich Motive durch den extremen Bildausschnitt in Szene setze. Vielmehr ist das Laowa 17 mm ein Objektiv für besondere
Motive, welches den Bildmittel bzw. -schwerpunkt bewusst in Szene setzt und dabei, dank des großen Bildausschnitts, das weitgefasste Umfeld unaufgeregt integriert. Das bietet sich bei meiner Art der
Fotografie in der Landschaft sowie im urbanen Raum z.B. auf Städtetouren an. Das ermöglicht mir Perspektiven, die ich mit konventionellen Weitwinkelobjektiven lediglich mit Hilfe eines Panoramakopfes
umsetzen könnte.
Zu guter Letzt, ähnlich wie beim einem Fish-Eye muss auf die Stativbeine geachtet werden. Bedingt durch das Bildformat von 4:3 läuft man Gefahr, dass sich diese ungewollt in den unteren Bildbereich
einschleichen.
Mark Robertz